Leuchtturm

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Kinder lernen – und das ist nichts Neues – an Vorbildern. Und auch, wenn ich „ein Mädchen“ bin, so steckt doch auch zu 50% ein Mann in meinen Genen – mein Papa ist nämlich einer 😉 . Vieles hab ich mir von ihm abgeschaut. Und wenn ich heute zurück blicke, dann kann er soviel nicht falsch gemacht haben, auch wenn natürlich die Erziehung mit Baujahr 50 anders angegangen wurde als heutzutage. Obwohl er wie viele seines Jahrgangs selten zuhause präsent war, so habe ich ihn immer als jemanden erlebt, der vor allem macht. Manchmal mußte er was organisieren, viel improvisieren, aber vor allem kam er in die Tat. Obwohl er auch reden konnte und kann. Ich kann mich an eine sehr beispielhafte (Erziehungs-)Angelegenheit erinnern, die genau das zeigt:

Schon mit 14 verdiente ich mir mein Taschengeld in den Ferien durch Mitarbeit in der LPG (hier ein landw. Produktionsbetrieb mit 6000 Jungrindern). Ich war ganz normal in der Tagschicht von 7 bis 16 Uhr eingeteilt, und sehr viel schwere körperliche Arbeit bestimmte den Arbeitstag. Das Auftreiben der Färsen (Jungrinder) auf die Waage gehörte noch zu den leichtesten Tätigkeiten, auch wenn diese teilweise die 300 kg – Marke brachen. Zumindest war ich da „in Action“, anders als beim stumpfsinnigen Fegen des gesamten Betriebsgeländes, das natürlich auch zu den Aufgaben der Schicht gehörte. Und genau bei dieser Aufgabe „erwischte“ mich Vadders und in dem Fall mein Chef ohne Arbeitsmaterial (Besen oder Schaufel) und im Gras sitzend. TJA

Nach Erklärungen fragte er nicht und ich fiel ihm nicht ins Wort. Außerdem war sein Gebrüll wahrscheinlich noch 10 km weiter zu hören. Super enttäuscht und wütend wie er war, brummte er mir allein als Strafe auf nach der Schicht ein leeres Trockensilo allein auszufegen. …und wie ich die 12 km bis nach Hause komme, da sollte ich man ZUSEHEN!!! Und schon gab er Gas und fuhr zur nächsten Einsatzstelle, ließ mich (super enttäuscht UND wütend UND heulend) zurück. Er konnte nicht wissen, dass die Schichtleitung bestimmt hatte, dass wir immer nur zu 8 arbeiteten, während 2 Leute pausierten, wegen der brüllenden Hitze. Und deshalb ja auch nur 8 Arbeitsmittel brauchten. *schmunzel* Das Ende vom Lied? Die gesamte Schicht half mir bei besagter Strafaufgabe, und Paps nahm mich im Auto mit nach Hause. …in dem ich stur und schweigend saß und natürlich auf seine Entschuldigung wartete. Damit hatte er es dann nicht ganz so, aber er zollte mir Respekt dafür, dass ich niemanden „in die Pfanne“ gehauen und Loyalität bewiesen hatte. Denn als „Cheftochter“ wurde ich anfangs sehr skeptisch von den Mitarbeitern beäugt. Gerade in einem System, in dem Denunziantentum zur Tagesordnung gehörte, war „Klappe halten können“ eine Tugend.

Als Älteste im Mädelshaushalt war ich natürlich lange Zeit der Jungsersatz und durfte Papa bei vielen Gelegenheiten zur Hand gehen. Und so lernte ich tapezieren, im Garten ein Frühbeet zu bauen und viel mehr – auch, wenn dafür nicht oder nur bedingt Materialien zur Verfügung standen. Improvisation war im Arbeiter- und Bauernstaat Pflichtprogramm. Dazu der unbedingte Wille, das Projekt durchzuziehen und Hindernisse mit Galgenhumor zu nehmen. Seine Projekte hat er auch heute noch. Letztes Jahr kraxelte er tagelang auf seinem Hausdach rum, um die Röhren der Solaranlage – die er natürlich günstig im Internet geschossen hatte – zu erneuern. Und er ist stolz darauf, das Haus mit Thermo- und Photovoltaik inclusive der dazugehörigen Elektronik ausgestattet zu haben. Dazu gehört eine angewärmte Fliesenbank in der Duschkabine ;D :“man(n) wird ja nicht jünger“ (O-Ton Papa). In diesem Jahr hat er schon alle Teile zusammen, um einen Treppenlift in den Keller zu bauen, meine Mum ist nicht so gut zu Fuß und „der Fertigscheiß“ (ebenfalls O-Ton) ist ja wohl viel zu teuer. 😉

Von ihm habe ich die Liebe zur Natur, zu Tieren und Pflanzen, die Verankerung zur Erde – während mütterlicherseits mein Fernweh zu erklären ist.

Natürlich haben wir nicht immer eitel Sonnenschein gehabt, aber ich kann ihn so nehmen, wie er ist.

Und ich weiß immer, WO er ist. Halt ein Leuchtturm mit ner Menge Humor. Und deshalb vermute ich, dass er folgenden Song nicht so schlecht finden wird. Habt auch Ihr Spass dabei und

Alles Gute zum Vatertag!

Beitragsfoto: Westerhever Leuchtturm, Fotograf: Tristan Ludwigkeit

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